Der Jahresregent 2019

07. January 2019 » Erinnern & Gedenken

Fotos: Tiroler Festspiele Erl/Enrico NawrathKaiser Maximilian, der wohl populärste Kaiser der Habsburger. Er leitete die Dynastie zur Weltmacht ein. In der Münze Hall ist er allgegenwärtig:  Zu seiner Kaiserkrönung 1508 hat er sich seinen Krönungs-Doppelguldiner in Hall prägen lassen, auf dem zum ersten Mal das Wort Europa zu lesen war. Wohl deshalb wird er der „Tiroler im Herzen“ erster „Europäer im Geiste“ genannt. Ein Kaiser, der groß gedacht hat: Durch Erbschaften und Feldzüge, vor allem aber durch seine Eheschließungen - „Bella gerant alii, tu felix Austria nube“ - konnte Maximilian den Herrschaftsbereich der Habsburger beträchtlich ausbauen.  Er heiratete Maria von Burgund und kam dadurch an das reiche burgundische Erbe. Durch Verheiratung seiner Familienmitglieder, unter anderen seines Sohnes Philipp, gewann er Spanien, Böhmen und Ungarn für das Habsburgerreich. Nach einem Reitunfall verstarb seine erste Gattin – Interpretationen aus den Geschichtsbüchern zufolge hat er Maria von Burgund auch wirklich geliebt. Bianca Maria Sforza war die zweite Ehe, die ihm das Herzogtum Mailand einbrachte. Bei der Hochzeit jedoch ließ sich der Kaiser vertreten – „per procurationem“ ist von einer Liebeshochzeit wohl weit entfernt. Den Überlieferungen nach wurde die Ehe erst drei Monate später offiziell in der Georgskapelle in der Haller Burg Hasegg geschlossen.

2019 – das Maximilianjahr


Dem mächtigen Herrscher wird ein ganzes Kulturjahr gewidmet. Das wäre ihm, dem visionären Denker bestimmt mehr als nur genehm. Fulminanter Auftakt des Maximilianjahres wurde am Donnerstag, 3. Jänner im Festspielhaus Erl mit einer dramatischen Renaissance-Allegorie gefeiert. Robert Prosser, der 1983 in Alpbach geborene Autor, der zu den Shootingstars der Tiroler Literaturszene gehört, hat einen Zentralmonolog zur Geschichte des Kaisers und Arien dazu getextet.

Des Kaisers Liebe zu Macht, Kunst und Frauen

Maximilian - hervorragend gespielt von Ronald Seboth - ist die zentrale Sprechrolle auf der Bühne. Er reflektiert in aktueller Sprache über sich und sein Leben. Mehrfach fragt er sich, warum denn ein gewisser Tiroler Freiheitskämpfer namens Hofer so viel bekannter ist als er, wo er doch der „Medienkaiser“ genannt wird? Der große Exzentriker mit Liebe zur Kunst, Affinität für die Jagd und einer Schwäche für schöne Frauen. Der Monolog bezieht sich lediglich auf den privaten Maximilian und seine beiden Gattinnen, die als Gesangsrollen angelegt sind: Maria Radoeva und Lada Kyssy, zwei führende Sopranistinnen der Erler Festspiele, die mit kristallklaren Stimmen über die Liebe zum Herrscher sinnieren. Die eingeblendeten Übertitel machen die teils altertümlichen, sprachlichen Momente verständlich. Das Bühnenbild besteht aus einem übergroßen Schachbrett und „Schwarzen Mandern“, die an die Innsbrucker Hofkirche erinnern, aber auch als bewegliche Symbole für kriegerische Schachzüge dienen. Mit raffinierter Beleuchtung ergeben sich spektakuläre Bilder.

Ohne exakte Chronologie historisch wertvoll erzählt

Die Allegorie unterliegt keiner exakten, narrativen Struktur, entspricht aber theatralischer Logik. Begleitet von extravaganten Klängen des Komponistenduos Beomseok Yi und Stefano Teani, die Originalkompositionen von Maximilians Hoforganisten Paul Hofhaimer, von Heinrich Isaac oder Josquin Desprez, mit neuer Musik ergänzen. Vor allem zu erwähnen ist das italienische Vokalensemble für A-capella-Renaissance-Musik, das mit Neukompositionen die Grenzen Maximilians klanglich und optisch erweitern. Sie lassen einen Assoziationsraum zum „letzten Ritter“ entstehen, der sein Ich verherrlicht und von existenzieller Not geplagt wird, aber auch verspielt und visionär durchs Leben tanzte. Ein Leben, das im Sarg endet, den Maximilian I. in seinen letzten Jahren immer bei sich trug und als aufgeklapptes, zentrales Bühnenelement das unweigerliche Ende der Allegorie einläutet. 90 Minuten raffiniert erzählte Historie, kontrapunktisch ergänzt mit feinsinnigen Klängen und bedächtig eingesetzten, opulenten Szenen. Ein gelungener Musiktheater-Abend, der dem Jahresregenten leider nur teilweise gerecht wird, zumal die Aufführung am 3. Jänner vorerst die einzige bleiben wird.


Maximilian: Ronald Seboth
Maria von Burgund: Maria Radoeva
Bianca Maria Sforza: Lada Kyssy
Chor und Orchester der Festspiele Erl
A-capella-Chor Stereo Tipi

Musikalische Leitung und Komponist: Beomseok Yi
Komponist: Stefano Teani
Szenische Umsetzung: Charlotte Leitner