Alles ein großes Nichts oder ein kleines Alles?

08. December 2018 » Gesehen & gehört

Das Feinripp-Ensemble feiert seinen 10. Geburtstag im „Hellness-Hotel“ - zum Todlachen

Die Satire lebt von der Übertreibung, muss das Bloßgestellte aber auch ernsthaft bearbeiten. Mit dem neuen Stück "Fein-R.I.P. - einmal Hölle und zurück ermäßigt" ist den drei Schauspielern ein kleines, satirisches Meisterwerk gelungen, an dem bestimmt auch Ephraim Kishon Gefallen finden würde. Thomas „Tom“ Gassner, Bernhard „Berny“ Wolf und Markus Oberrauch widmen sich dem Tod – und das in Unterhosen. Sie checken im „Hellness-Hotel“ ein, parodieren die deutsche Schlagerszene und den grassierenden Rechtsruck in der Gesellschaft. Sie sorgen mit pointiertem Witz für unzählige Lacher, die bisweilen im Hals stecken bleiben. Wenn man genau hinhört. Die Feinripps verarbeiten subtile Botschaften zwischen den Zeilen. Ein Theaterabend zum Todlachen im Innsbrucker Treibhaus.

 

Totengott Hades heizt die Hölle an.

Das Stück beginnt todernst: Die drei Herren im Feinripp und Hermelinkapuze rezitieren schwere Literatur mit Pathos. Es geht um Abgründe, um Lazarus, die Bibel und irgendwann auch um das Bienensterben. Berny setzt der wuchtigen Szene ein Ende und taucht im Biene Maya-Kostüm auf. Tom und Markus sind aber schon fast auf ihrer Reise ins Jenseits, denn die „Aushilfe vom Tod“ kennt keine Amnestie. Zurück bleibt der verzweifelte Berny, der den Verlust seiner Freunde kaum überwinden kann. Die drei Schauspieler wechseln ihre Rollen - wie andere die Unterhosen - zwischen Hölle und gespielter Realität. Berny wird vom Manager am Handy gezwungen, sich eine neue Show zu überlegen: „Ich soll mir zwei andere Deppen suchen?“ Die findet er in unseriösen TV-Darstellern und neunmalklugen Theaterpädagogen, denen er selbstgemache Sockenpuppen vorzieht, die seine Bibershow begleiten sollen. Derweil sitzen die beiden anderen im "Hellness-Hotel"– einer Art Vorhölle – um auf einen Termin vor dem jüngsten Gericht zu warten. Dort erstickt der Concierge in der Bürokratie und der „Boandlkramer“ schwitzt in der Sauna. Ein durchdachtes, höllisches Durcheinander.

Satirisch ernst

Irgendwann wird der fatale Irrtum der „Aushilfe“ entdeckt – die beiden Schauspieler sollen noch gar nicht tot sein – und die Korrektur dieses Fehlers wird zum Leitfaden im Stück. Auch wenn die Ausstattung mit Kastenkoffer, Stehlampe und rotem Vorhang simpel ist, sorgen die raschen Szenewechsel für ständig neue, schrille Gags. Großes Theater sind Markus Oberrauch als Küchenchef, der an einer bipolaren Störung leidet und Bernhard Wolf als Adolf Hitler, der im Glitzersakko den Karel Gott-Schlager „Fang das Licht“ im Stakkato rezitiert. Zu guter Letzt tanzen Hitler und die beiden Schauspieler im Jenseits gemeinsam die Polonaise „Ein bisschen Gas muss sein, dann ist die Welt voll Sonnenschein“ ... Ein geschmackloser Witz, der den grassierenden Rechtsruck in Österreich gekonnt in die Festzelte transferiert. „Nicht nachdenken, einfach mitmachen!“ zeigt, dass wir längst in der Realität angekommen sind, in der Geschichte verharmlost oder gar geleugnet wird. Der Kontext der vorgeführten, lärmenden Masse ist ungeheuerlich - aber auch ungeheuer intelligent. Bisweilen blitzt auch Philosophisches durch: „Ist dort drüben alles ein großes Nichts oder gar ein kleines Alles?“. Als Trialog zwischen Nihilisten, Hindus und Katholiken auf die Treibhaus-Bühne gehievt. Eine brillant gespielte, schräge Satire des Feinripp-Ensembles, die sehr ernst zu nehmen ist.

Regie: Johannes Gabl
Ausstattung: Andrea Kuprian