Das Spiel mit der Identität

29. June 2018 » Kunst & Wirtschaft

Foto: FAZ.netDie Flüchtlingskrise, der Brexit in England oder auch der Rechtsruck Europas werden vom Streetart-Künstler Bankys schonungslos kommentiert. Vergangene Woche ist in Paris wieder einer seiner an die Wand gesprühten Proteste aufgetaucht. Das Bild zeigt ein dunkelhäutiges Mädchen mit Masche im Haar und Spraydose in der Hand. Sie übersprayt ein schwarzes Hakenkreuz mit einem pinkfarbenen Tapetenmuster. Die Pikanterie dabei ist, dass sich das Werk in der Nähe eines Aufnahmezentrums für Flüchtlinge befindet, das im März geschlossen wurde, jedoch bis heute von Flüchtlingen okkupiert wird. Es wird gerätselt ob es ein echter Banksy ist oder nicht, denn niemand kennt den Künstler wirklich. Seine Identität hält er geheim, wie auch seine Werke nur im Geheimen entstehen und deshalb so sehr berühren. In all seinen Werken übt er offen Kritik, erscheint aber plötzlich und unerwartet. Fast kein politisches Ereignis kommt mehr ohne seinen Kommentar aus. Die Sterne der EU sieht er zerbröseln, Mona Lisa hängt er ein Maschinengewehr um und sein Terrorist wirft mit Blumen statt mit Handgranaten. Banksy nützt den öffentlichen Raum als Projektionsfläche für seine zur Kunst gewordenen Dementi.

Doch wer ist dieser Banksy? Die Anonymität ist sein Markenzeichen. Vermutlich ist er 1974 in Bristol geboren, da dort die ersten seiner Street-Art-Werke aufgetaucht sind. Die einen behaupten er sei Robert Del Naja, der Sänger der Trip-Hop-Band "Massive Attack". Andere wiederum glauben fest daran, dass sich der ebenfalls in Bristol geborene Künstler Damien Hirst ein Synonym zugelegt hat. Wieder andere vermuten, dass eine ganze Künstlergruppe hinter Banksy steht oder dass es sich um eine Frau handelt und Banksys Identität deshalb nicht gelüftet wird, weil alle nach einem Mann Ausschau halten. Er spielt mit seiner Identität, doch seine Botschaften sind ernst gemeint: In all den gesprühten Werken präzisiert er seinen unverwechselbaren Stil, der ein ganzes Imperium entstehen ließ aus Büchern, Filmen, einem Vergnügungspark und einem Banksy-Hotel. Trotz aller Kritik am System, dreht sich auch sein Spiel mit der Identität ums Geld: Was früher nur für die anonyme Hausmauer gedacht war, wird heute abgenommen und als echter Banksy teuer verkauft. So wird die hehre Aussage seiner kunstvollen, öffentlichen Proteste ad absurdum geführt. Naja. Auch das Spiel mit der Identität will gut verkauft werden und offensichtlich kann man selbst an der Systemkritik verdienen.