Traum-Welten

06. June 2018 » Erinnern & Gedenken

Auszug aus meiner Laudatio zur Eröffnung am 1. Juni 2018:

Das Leben kann manchmal recht anspruchsvoll sein. Für uns alle.

Wir leben in einer hektischen Welt. Wir müssen hohen Anforderungen gerecht werden, mit ständigem Leistungsdruck umgehen. Alles soll immer mehr, immer weiter, immer schneller gehen. Wir meinen wir halten alles aus - doch plötzlich wird es eng ums Herz. Plötzlich wird es uns zu viel. Wenn wir eine Familie haben, die uns stärkt und Verständnis zeigt, dann gewinnen wir vielleicht wieder einen inneren Anker. Wenn wir aber alleine sind mit uns selbst - was ist dann?
Ein Hinsehen, wenn es schwierig wird. Ein Hinhören, wenn das Innerste leidet. Ein Hinspüren, wie neue Kraft und neues Vertrauen wieder wachsen kann. Für all das gibt es den Psychosozialen Pflegedienst Tirol und – es gibt die Kunst! Die Kunst kann uns lernen, wieder auf unsere innere Stimme zu hören, die weitaus kreativer ist, als wir auf Verstandeswegen glauben. Kreative Potentiale und Fähigkeiten können durch Kunst und kreativer Gestaltung neu entdeckt werden. Durch gestalterische Arbeiten, aber auch allein in der Betrachtung von Kunst findet sich ein visueller Zugang zum Unbewussten. Zum eigenen Unterbewusstsein und vielleicht auch zum anderen - einfach um den Anderen besser zu verstehen? Was sehen wir in den Bildern, die von anderen geschaffen wurden, die einen Teil ihrer TRAUM-WELT nach außen tragen? Es ist die ganz eigene Bildsprache, die die Künstlerinnen und Künstler hier von sich geben. Eine intensive Bildsprache, die direkt aus ihrem Herzen kommt. Die Kunst kann eine therapeutische Ressource sein, aus der sich Heilendes entwickelt. Nicht jeder findet eine Sprache, die von anderen verstanden wird. Über das Medium der Kunst kann man ohne Worte zeigen, was man sagen will. In der Kunst eröffnet sich ein kreativer Spielraum, der Distanz schafft, und Neues entdecken lässt. Wie heißt es in einem Lehrbuch zur Kunsttherapie: „Der kreative Prozess, der über das Malen und Gestalten im Außen stattfindet, ist Ausdruck und Spiegelbild der Innenwelt.“ Der deutsche Schriftsteller Novalis (1798-1804) beschrieb dies noch viel empathischer: „Das Mensch werden ist eine Kunst!“